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Podcast Nr. 5 – Sinn und Nutzen von Vorgaben

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Der Tiefstatus ist der neue Hochstatus

Wenn man Impro-Anfänger fragt, ob sie sich im Tief- oder im Hochstatus wohler fühlen, nennen sie meist eine klare Präferenz für einen der beiden. Ich habe früher, konfrontiert mit dieser Frage, eine leichte Tendenz zum Tiefstatus bei mir bemerkt, und mich dafür innerlich immer gerügt, ja mitunter sogar zerfleischt. Bzw. habe ich es mir zum erbitterten Ziel gesetzt, dass sich für mich der Hochstatus irgendwann „natürlich“ anfühlen muss (GEFÄLLIGST!). Inzwischen selbst unterrichtend sehe ich jedoch, dass die Spieler, die von sich behaupten, sich intuitiv im Hochstatus wohler zu fühlen, es in meinen Augen häufig schwerer haben, weil es ihnen von Natur aus weniger leicht fällt, sich mit ihrer Aufmerksamkeit auf den anderen zu richten. Dies ist mit Sicherheit keine Faustregel, so dass man sagen kann „Jeder Spieler, der sich intuitiv dem Tiefstatus näher fühlt, ist ein besserer Impro-Spieler.“ – holy shit, definitely not!

Dennoch denke ich, dass „typische Tiefstatus-Spieler“ häufig eine Gabe mitbringen, die „typische Hochstatus-Spieler“ sich erst erarbeiten müssen: Die Aufmerksamkeit für andere und deren Befindlichkeiten! Wer im Leben dazu tendiert, sich selbst etwas „niedriger“ als die anderen zu fühlen, beobachtet diese meistens ausgiebig, um sich zurecht zu finden, und hat ein Händchen dafür, was diese brauchen. Und genau das ist meiner Meinung nach eine der Kern-Kompetenzen eines guten Impro-Spielers: Die Aufmerksamkeit für die Mitspieler und was diese gerade brauchen! Insofern sehe ich es inzwischen gar nicht mehr unbedingt als Defizit, wenn man bei sich bemerkt: „Oh, ich fühle mich eigentlich mit dem Tiefstatus vertrauter, als mit dem Hochstatus.“ Zumindest für’s Impro-Spielen kann dies eine große Gabe sein! Und dass dem so ist, heißt ja nicht, dass man nicht an sich arbeiten, sich nicht verändern soll. Natürlich ist es – im Sinne eines guten Spiels und auch der persönlichen Weiterentwicklung – wichtig, sich nicht nur auf einen Status in seinen Rollen festzulegen, sondern möglichst danach zu streben, auch den anderen Status gut und „wohlfühlend“ verkörpern zu können. Also, liebe Tiefstatus-Spieler: Wenn Ihr diese Gabe bei Euch bemerkt, ruht Euch nicht auf ihr aus, sondern strebt nach Höherem! Ansonsten kann es Euch möglicherweise so ergehen, wie dem einen Extrem des „schlechten Impro-Spielers“, den ich in meinem 1. Podcast beschrieben habe, dem zögerlichen Impro-Spieler.

Freut Euch trotzdem darüber, dass Ihr es in dieser Hinsicht möglicherweise leichter habt, als Eure Hochstatus-Kollegen, denn die müssen das „auf-andere-Achten-und-Eingehen“ erst erlernen – und ich kenne Beispiele einiger Impro-Spieler, denen das m.E. bis heute nicht gelungen ist, und die weniger mit anderen zusammen etwas erschaffen, als dass sie mehr ihre Solo-Nummer auf der Bühne fahren. Ich finde es wahnsinnig schwer, mit solchen Leuten zu spielen, und ich schaue ihnen auch nicht gerne zu, da sie sich auf der Bühne oft wie Rambo benehmen.

Nachtrag 27.09.2013
Während meines Besuchs in London beim iO European Summer Intensive diesen Monat habe ich mich mit einem der Teilnehmer ausgiebig über das Thema „Status“ unterhalten, und aus diesen Gesprächen sehr viele Erkenntnisse gezogen: Es geht überhaupt nicht darum, dass einer der beiden Stati besser oder schlechter, oder moralisch überlegen wäre (auch wenn ich nach wie vor den Eindruck habe, dass in unserer aktuellen, westlichen Gesellschaft ein Hochstatus-Verhalten attraktiver und begehrenswerter – im Hinblick auf gesellschaftliche Anerkennung – ist, und deshalb für viele erstrebenswerter erscheint). Sowohl Hoch- als auch Tiefstatus dienen als Verhalten dazu, andere Menschen zu manipulieren. Der Tiefstatus indem er mit seinem Verhalten signalisiert „Tu mir nichts, ich bin es nicht wert, verletzt zu werden“, und der Hochstatus, indem er dominantes Verhalten an den Tag legt, das die anderen dazu bringen soll, zu machen, was er möchte („Macht auszuüben“). Beide Taktiken sind defensiv und dienen dazu, die eigene Persönlichkeit zu schützen, und dahinter steht meist Angst (z.B. davor, verletzt zu werden, oder nicht den richtigen Platz in der Hackordnung zu bekommen). Die Frage, die sich mir hier gestellt hat war: Wie kann man aus diesem Schema ausbrechen? Und vor allem: Wie schafft man es, dass andere einem nicht diese Art defensives Verhalten (Hoch- oder Tiefstatus) entgegen bringen? Die Antwort darauf ist für mich: Offen sein. Empathie zeigen. Den anderen signalisieren, dass sie keine Angst haben brauchen. Und gerade Impro-Theater ist m.E. der Versuch, diesen Schutzmechanismus zu überwinden, die Angst fahren zu lassen und sich zu öffnen.

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Ein Hoch auf das „Sowohl als auch“!

Ich hab im Moment eine kleine Aversion gegen “So ist das!“ oder „So macht man das richtig!“ Statements, weil sie implizieren, dass es genau einen Kardinalsweg „of doing things“ gibt. Dem ist m.E. nicht so, es gibt immer mehrere Wege, die nach Rom führen, und manchmal können sogar scheinbar gegensätzliche Paradigmen gleichzeitig gültig sein. Ein paar Beispiele aus dem Impro-Theater:

Abfragen von Vorgaben: Soll man die erste nehmen, die kommt, oder mehrere abfragen und sich dann für eine entscheiden? Ich sage: Beides!
Wie man es mit dem Abfragen von Vorgaben hält, ist m.E. schnuppe. Warum soll man gleich die erste Vorgabe nehmen, wenn sie einen nicht inspiriert? Auf der anderen Seite: Spielen wir wirklich noch Impro, wenn wir uns erst einen Vorgabenstrauß holen und dann diejenige heraus picken, die uns am besten gefällt? Ich sage: Ja! Natürlich ist das noch Impro. (Ralf Schmitt hat in einem Workshopa mal gesagt: „Das sind Impro-Spieler, die brauchen eigentlich überhaupt keine Vorgaben, die müssen auch so spielen können!“; in diesem Sinne sehe auch ich das Vorgaben-Einholen hauptsächlich als Mittel, um mit dem Publikum in Kontakt zu treten, zu kommunizieren – weniger als unabdingbaren Bestandteil des Impro-Theaters.) Warum immer die erstbeste Vorgabe à la „Rot – Geige – Hammer“ nehmen? Aber warum nicht? Im Endeffekt finde ich, sollte jeder dies so handhaben, wie er / sie sich damit am wohlsten fühlt! Und dies kann, bei wechselnder Moderation innerhalb einer Show z.B. auch gerne wechseln – der eine nimmt die erste Vorgabe, die er hört, der andere fragt erstmal ein paar Vorschläge ab, um sich dann die auszuwählen, die ihm am besten gefällt. Warum denn nicht!

Gibt es beim Impro-Theater sowas wie „Level“ (Anfänger, Mittelstufe, Fortgeschrittene), oder ist alles eins? Ich sage: Beides stimmt!
Es gibt in Berlin einen sehr bekannten Trainer und Improspieler (Deniz Döhler), der der Ansicht ist, beim Impro gäbe es keine Level. Als ich vor zwei Jahren bei Deniz einen Kurs besucht hab, habe ich mich über diese Haltung etwas geärgert, da ich mich in meinem Können / meinem „Lernwerdegang“ nicht anerkannt fühlte. Seit ich selbst unterrichte verstehe ich, was er meint, und gebe ihm in gewisser Hinsicht Recht: die Probleme, mit denen Spieler aus meinem Kurs „kämpfen“ sind im wesentlichen die gleichen, mit denen viele in meiner Impro-Gruppe kämpfen (meist der stete Versuch um Kontrolle des Geschehens); und gleichzeitig sehe ich, dass es eben doch verschiedene „Könner“-Levels gibt. Klar kann ein Anfänger-Kurs bestimmte Theatersport-Formate genauso gut und lustig aufführen, wie eine Profi-Truppe. Dennoch macht es m.E. auch Sinn, Spieler nach Levels zu unterscheiden, und zwar aus verschiedenen Gründen: 1. Ich denke, so wir mir wird es vielen Leuten gehen: sie fühlen sich einfach besser, wenn anerkannt wird, dass sie etwas schon länger machen, als andere, und damit impliziert wird, dass sie auf irgendeine Weise ein höheres Skill-Level haben; 2. über die Zeit entwickeln Spieler eine Routine oder „Bühnenhärte“, die Anfänger oft noch nicht so haben; diese Routine erlaubt es ihnen, in bestimmten Situationen souveräner und spontaner zu reagieren (was nichts mit dem grundsätzlichen Skill-Level zu tun hat); 3. Spieler, die länger Impro spielen, haben mehr „Tricks“ drauf, die sie gekonnt aus dem Ärmel schütteln können, sie wissen bereits, was funktioniert; 4. Spieler, die länger Impro spielen hatten länger Zeit, bestimmte Impro-Grundregeln „sacken“ zu lassen und wirklich zu verinnerlichen, wie z.B. „Let your partner shine“, oder auch, sich von Fehlern nicht gleich ins Boxhorn jagen zu lassen. Dennoch: Soweit ich das überblicken kann, kämpft auch die Mittelstufe, und wahrscheinlich sogar die „Fortgeschrittenen“ mit den gleichen Themen, wie jeder der anfängt, Impro zu spielen. Im Rahmen eines Kurssystems, wie es viele Gruppen anbieten, die Impro unterrichten, erschließt sich mir der Unterschied nicht wirklich, außer dass die höheren Level eben schon länger trainiert haben und man bestimmte Grundlagen nicht extra erklären muss. Nur den Spielern gibt es eben ein gutes Gefühl, wenn sie den Eindruck haben, eine Art Evolution zu durchlaufen und besser bzw. fortgeschrittener zu werden, und ich denke, das ist gut. Die wirklichen Unterschiede im Spieler-Niveau können m.E. jedoch nicht in einem Kurssystem erfasst werden, da sie schwer zu verifizieren sind (es handelt sich hier m.E. eher um eine Einstellungs- als um eine Könnens-Sache).

Albernheit vs. Ernsthaftigkeit: Soll die Maxime für’s Impro-Spielen eher Albernheit oder eher Ernsthaftigkeit sein? Ich sage: Beides!
Ein großer Reiz des Impro-Theaters besteht für mich in der Albernheit und kindlichen Verspieltheit (vgl. Podcast Nr. 3). Warum also sollte man diesen Vorzug zugunsten eines ernsthaften Spiels aufgeben? Anderseits: Wenn Proben nur noch ins Alberne, Herumblödelnde abdriften, dann fühle ich mich hinterher leer. Mir fehlt dann die Ernsthaftigkeit, die „Substanz“. Dennoch würde ich die Albernheit und Verspieltheit nicht zugunsten von Ernsthaftigkeit aufgeben wollen! Ich denke, man kann ernsthaft Impro spielen, und dabei trotzdem leicht, verspielt und albern sein. Die Ernsthaftigkeit ist hier auf einer anderen Ebene als die Albernheit: Wenn man das, was man tut (das Impro-Spielen) als solches ernst nimmt (nicht zu ernst!!), und als Ziel hat, wirklich etwas zu erzählen, etwas mitzuteilen – dann kann man in der Umsetzung dessen auch albern und verspielt sein. Umgekehrt ist es jedoch eine denkbar schlechte Kombination 🙂

Und, wie so häufig, kann das Ganze auch auf das Leben allgemein angewendet werden: Es gibt kein Schwarz-Weiß. Es gibt kein „Das ist richtig und das ist falsch.“ Es gibt kein „Wir sind so und Ihr seid alles, was wir nicht sind“. Es ist meistens ein „Sowohl als auch“. Wenn jemand Euch also versucht, so eine Dichotomie zu verkaufen, solltet Ihr skeptisch sein…

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Podcast Nr. 4 – macro in Chicago

Heute habe ich mir macro als Gast in mein kleines Home-Studio eingeladen, um mit ihm über seine Erfahrungen beim iO Summer Intensive in Chicago zu sprechen. Macro hat in seinen fünf Wochen dort viel erlebt und gelernt. Viel Spaß beim Zuhören!

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Wir gehen in die Verlängerung

In etwa einer Woche (am Montag, 19. August) ist es soweit: Unser Impro-Kurs geht in die Verlängerung! Diesmal gleich an zehn Abenden mit je 2,5 Stunden. Als Schwerpunkt haben Felix (von den Improbanden) und ich uns diesmal das Thema „Charaktere“ sowie weiterhin das szenische Arbeiten gesetzt – ggf. ergänzen wir die Agenda zum Ende hin noch um das Thema „Storytelling“. Der Kurs richtet sich dieses Mal an Leute mit geringen Vorkenntnissen im Bereich Impro – aber auch an Neulinge, und wir werden den Anfang des Kurses einer kleinen Wiederholung der wichtigsten Impro-Grundlagen widmen, so dass auch jeder Impro-Neuling gut rein kommt. Wie vorher auch wird der Kurs jeweils Montag Abend ab 19 Uhr im Fliegenden Theater in Kreuzberg statt finden.

Weitere Infos findet Ihr unter www.improbanden.de/training. Es gibt noch einen freien Platz, wer sich anmelden möchte schreibt bitte eine E-Mail an info@improbanden.de.

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Podcast Nr. 3 – Spielfreude und Verspieltheit

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Impro-News Podcast mit mir zum 17th International Festival of Improv in Seattle

Ein gemeinsamer Podcast, in dem mich der großartige Thomas Jäkel zum 17th International Festival of Improv von Unexpected Productions in Seattle interviewt, ist jetzt online auf Impro-News.de: http://www.impro-news.de/2013/07/inp-claudia-hoppe-und-das-festival-of-improv/
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Podcast Nr. 2 – Ergänzung zum idealen Impro-Spieler

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Es geht nach Seattle!!

Nun ist es also soweit – in weniger als 24 Stunden geht es los nach Seattle! Der Koffer so gut wie fertig gepackt, d.h. ich bin ready to rumble zum 17. International Festival of Improv von Unexpected Productions (unter Randy Dixon). Nach zwei Tagen in Seattle, die ich für Shopping, Jet-lag-Auskurieren und Sightseeing reserviert habe, geht es dann ab Sonntag Nachmittag los mit dem ersten Impro-Jam im Market Theater. Der Wochen-Schedule ist dann gespickt mit Workshops, Shows und vermutlich der einen oder anderen Überraschung, auf die ich sehr gespannt bin.

Höllisch aufgeregt bin ich natürlich, mit so vielen Improvisierern aus allen Herren Länder (bekannte und unbekannte Gesichter) zusammen zu treffen und zu performen. Und dass wir performen werden, steht wohl fest: http://www.unexpectedproductions.org/show/Festival13

In jedem Fall bin ich sehr gespannt, ganz besonders auch wegen des diesjährigen Themas, unter dem das Festival steht: „Between You and Me: The Audience as Improviser“ – hier soll es um die Beziehung zwischen Zuschauer und Improvisierer gehen. Ich halte Euch auf dem Laufenden!

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Im Radio bei Flux FM

Gestern hatte ich das Vergnügen, das dritte Mal in meinem Leben live im Radio auf Sendung zu sein (das 1. Mal war 2004 bei der Sendung „Mix Tape“ auf Radioeins, das zweite Mal vor gut acht Monaten zusammen mit macro bei der Sendung Hyperbandrauschen des c-base e.V.). Dieses Mal war ich zusammen mit Andi von den Improbanden bei Flux FM eingeladen, um über unser neues Format, die Impro-Hotline, das wir am 15.6. im Rahmen von 48 Stunden Neukölln ur-aufführen werden, zu sprechen. Abgesehen von der Tatsache, dass Flux FM meine Lieblings-Radiostation  ist, und ich daher sowieso super happy war, einmal die Räume zu sehen, in denen die Magic statt findet, war für mich das Faszinierenste an diesem kleinen Ausflug die Arbeitsweise von Moderator Winson: Äußerlich ein wenig chaotisch wirkend hat Winson die ganze Kiste ziemlich klar im Griff gehabt und gesteuert. Die Interviewfragen und die dazugehörige Recherche waren zwar von der Flux FM Redaktion vorbereitet worden, dennoch hat Winson die Fragen präzise auf den Punkt gestellt und schien immer genau zu wissen, wo lang der Hase gerade läuft und was als nächstes kommt. Merke: Auch eine Radio-Sendung ist das Ergebnis eines außerordentlich guten Teamworks, in diesem Sinne nochmal ein großes Lob auch an das gesamte Team von Flux FM! Und natürlich ist Winson jetzt mein neues Vorbild in punkto Professionalität was die Moderation angeht! Mit welcher Selbstverständlichkeit der das aus dem Ärmel geschüttelt hat ist wirklich beeindruckend.

Alles in allem war es für mich ein tolles Erlebnis, wie Ihr oben hören könnt!

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