Impro und Gewaltfreie Kommunikation

Ein paar Mal habe ich in den letzten Monaten Montag früh im Meeet in Wilmersdorf einen Impro-Workshop für Coaches und Trainer unter dem Motto „Mit Impro schwungvoll in die Woche starten!“ angeboten. Was als Vertretung für den lieben Urban Luig angefangen hat, werde ich in Zukunft regelmäßig alle zwei Wochen im Wechsel mit Urban gestalten.

Nach meinem letzten Vormittag bei Meeet war eine Teilnehmerin scheinbar so inspiriert, dass Sie Ihre Erlebnisse und Erfahrungen in einem Blog-Artikel beschrieben hat. Susanne Lorenz ist Trainerin für gewaltfreie Kommunikation (GfK auf Wikipedia) und ich danke ihr an dieser Stelle herzlich für diesen schönen Artikel!

Gleichzeitig möchte ich diese Gelegenheit nutzen, auch endlich einmal über die Parallelen und Gemeinsamkeiten von Gewaltfreier Kommunikation und Impro zu schreiben – ein Thema, das mich gedanklich schon länger umtreibt. Denn, wie auch Susanne schon in ihrem Blog-Artikel schreibt: Auch ich sehe Zusammenhänge mit der wertschätzenden bzw. gewaltfreien Kommunikation.

Die größte Parallele, die ich zur gewaltfreien Kommunikation sehe, ist einerseits die Haltung des grundlegenden Akzeptierens im Improvisationstheater („Au ja!“), andererseits die Haltung des „Let your partner shine“ – also den Fokus weg von sich selbst und die Sorgen um die eigene Wirkung zu legen, hin zu einer empathischen Haltung dem Mitspieler gegenüber. Genau das ist es, worum es auch in der gfK geht: Wie kann ich gerade „beim“ anderen sein (anstatt bei mir)? Was könnte im Moment das Gefühl der anderen Person sein, und wie kann ich – auch im Angesicht meiner eigenen Gefühle – gerade gut darauf reagieren? Und gut heißt hier: Wertschätzend, d.h. ohne den anderen zu beschimpfen, abzuwerten, zu be- bzw. verurteilen oder zu diagnostizieren (in der GfK werden diese Ausprägungen von Kommunikation auch als „Wolfssprache“ bezeichnet, während die gewaltfreie Kommunikation den selbstgewählten Beinamen „Giraffensprache“ trägt). Es geht nicht darum, was DU falsch gemacht hast und darauf herum zu reiten und Schuld zuzuweisen, sondern was ICH machen kann, um die Gesamtsituation MIT DIR ZUSAMMEN zu verbessern. Das „Akzeptieren“ im Impro bezieht sich – im übertragenen Sinne – genau darauf: Die Situation ist, wie sie jetzt gerade nun mal ist, und anstatt sie innerlich zu bekämpfen, oder sogar anderen die Schuld dafür zuzuweisen und in Jammmern, Meckern oder Passivität zu verfallen, nehme ich die Situation an und versuche, mit ihr umzugehen. Genau das passiert im Idealfall auch auf der Bühne!

Ferner geht es auch beim Impro darum, selbst aktiv in das Geschehen (z.B. eine Szene) einzusteigen, und die Verantwortung für das eigene Spiel und die Szene zu übernehmen – anstatt auf die Bühne zu gehen und zu warten, bis der andere einen „mit-definiert“ (was einem Zurückweisen der eigenen Verantwortung gleich kommt; wenn zwei Mitspieler mit einer derartigen Haltung auf die Bühne gehen, passiert eine lange Zeit lang erst einmal gar nichts). Auch in der gewaltfreien Kommunikation gibt es den Anspruch, dass Menschen die Verantwortung für ihre eigenen Gefühle und Handlungen übernehmen, und nicht anderen die Verantwortung dafür überhelfen (nach dem Motto: „Du hast gemacht, dass es mir schlecht geht, weil Du mich schlecht behandelst!“ – diesen Anspruch teilt die GfK übrigens mit anderen Kommunikationstheorien wie z.B. der Transaktionsanalyse). Diese Haltung ermöglicht es Menschen, sich als Herr ihres Schicksals wahrzunehmen, anstelle als passiven Spielball, der den Worten und Taten der Mitmenschen hilflos ausgeliefert ist.

Sowohl Impro als auch GfK können Menschen also dabei helfen, in dieser Art und Weise Verantwortung für sich selbst, ihr Handeln und ihre Gefühle zu übernehmen, was ich für ein sehr erstrebenswertes Ziel halte.

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Podcast Nr. 30 – Charlotte Wolff und Ralf Schulze über ihre Arbeit als Impro-Spieler und Gag-Autoren

Dieses Wochenende haben mich Ralf Schulze und Charlotte Wolff besucht, um mit mir zusammen die 30. Folge meines Podcasts aufzunehmen! Das kann kein Zufall sein: Der 30. Podcast und dann mit drei Personen! Die beiden erzählen über ihre gemeinsame Arbeit als als Comedy-Lehrer, Gag-Autoren, improvisierte Stadtführer und natürlich, über das Impro-Spielen. Neben einer Anleitung, wie man selbst Gags schreiben kann, entwickeln wir interessante neue Impro-Formate, und erfahren, dass Ralfs Frisur trotz frappierender Ähnlichkeit nicht das Vorbild für Alfons Puschelmikrofon war. Also, viel Spaß beim Hören.

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Über das fröhliche Scheitern

Es gibt kein fröhliches Scheitern. Das ist jetzt natürlich eine steile These für mich als Impro-Spielerin. Sprüche wie: „The master has failed more times than the beginner has ever tried!“ (Steven McCranie) sind zwar hübsch fürs Poesie-Album und entbehren (wie die meisten Poesie-Album-Sprüche) nicht einer gewissen Wahrheit. Dennoch: ich habe gestern, nachdem ich nach Ewigkeiten mal wieder bei einem Hula Hoop Kurs war, gemerkt, wie frustrierend es ist, ein paar Dutzend mal die gleiche Bewegung / Übung zu machen und es einfach nicht so hin zu kriegen, wie es „richtig“ ist. Natürlich kann man schon bei diesem Begriff ansetzen und fragen: „Was ist denn überhaupt richtig?“ – hier wird eher ein Schuh draus mit dem Impro, wo es richtig und falsch in dem Sinne nicht gibt, sondern nur Gefallen und Nicht-Gefallen – und das ist total subjektiv. Aber zurück zum Hula Hoop: Ich finde das nicht angenehm, dieses Üben und immer wieder daran Scheitern. Wie frustrierend muss es sein, Klavierspielen zu lernen! Das Scheitern macht mir schlechte Laune und Frust.

Normalerweise versuchen wir Menschen, Leid zu vermeiden. Das Problem entsteht dann, wenn wir bestimmte Dinge gar nicht mehr probieren, weil wir Angst vorm Scheitern haben, weil dieses Scheitern uns eben Leid verursacht. Damit schränken wir unsere Handlungsoptionen in quasi vorauseilendem Gehorsam erheblich ein – aber aus, wie ich finde, sehr nachvollziehbaren Gründen, denn wer möchte schon mehr Leid in seinem Leben haben?

Was hilft also? Im Prinzip nicht viel, denke ich – außer: Aushalten. Das kann man als Frustrationstoleranz, Resilienz oder wie auch immer bezeichnen. Für mich trifft es das Wort „Aushalten“ am besten. Und das finde ich alles andere als einfach.

Natürlich gibt es auch dieses andere Scheitern: Dieses, wo aus den Trümmern der in Schutt und Asche liegenden Option etwas Neues, anderes, vielleicht sogar Besseres wird. Dieses Scheitern ist das, das wir beim Impro versuchen zu kultivieren. Aus den „Trümmern“ des Plans eines Spielers wird durch das Akzeptieren und das flexible Reagieren der Mitspieler etwas Neues, möglicherweise viel Tolleres, als wenn der ursprüngliche Plan in die Tat umgesetzt worden wäre. Und wir haben auf der Bühne gar keine Zeit, unserer in Trümmern liegenden Option nachzutrauern und daran zu leiden.

Im Leben, und in Kontexten oder Situationen, wo es „einen richtigen Weg“ gibt, etwas zu tun (wie z.B. beim Hula Hoop, dem Spielen von „Für Elise“ oder der Zubereitung eines Soufflés), hat man diese Flexibilität jedoch oft nicht. Wenn man etwas nicht so ausführt, wie es die Situation oder das Konzept vorsieht, scheitert man. Und daran leidet man. Und da hilft nur: Aushalten.

Jetzt staunt möglicherweise der Laie und der Fachmann wundert sich: Was, wenn wir tatsächlich irgendwann mal Erfolg haben, und unsere unzähligen Versuche und das viele Üben sich gelohnt haben, und wir diese Sache jetzt hin kriegen? Macht der letztendliche Triumph das Leid, das uns das Scheitern zugefügt hat, nicht wieder wett? Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Ich habe für mich in diesem Punkt noch zu keiner endgültigen Antwort gefunden. Aber was bleibt einem übrig, als es immer wieder zu versuchen, wenn man nicht „stecken bleiben“ will?

Nachtrag 07.12.2015
Inzwischen habe ich genug geübt, dass ich alle diese Hula Hoop Tricks, die mich vor gut 1,5 Monaten so haben verzweifeln lassen, eigentlich ganz gut hin bekomme. Bereits am Abend des selben Tages an dem ich diesen Artikel schrieb, und mit einem anderen Reifen klappte der eine Trick, der mich im Training schier verzweifeln ließ, plötzlich einwandfrei und klappt auch seitdem. Ich möchte Euch also einladen, wenn etwas nicht klappt, einfach weiter daran zu üben – auch wenn der Prozess des Übens selbst oft frustrierend sein kann, aber ich denke, hier muss man wirklich einfach durch und das „aushalten“. Und schon eine kleine Pause und etwas Abstand zwischen den Übungseinheiten können hier Wunder bewirken. Bei mir half es außerdem, die „äußeren Parameter“, also den Hula-Hoop-Reifen, zu ändern. Vielleicht probiert Ihr in Euren Übungskontexten auch einfach damit etwas rum. Wenn man etwas „zu doll“ will, ist die Gefahr hoch, dass man sich verkrampft – und das ist oft eine schlechte Voraussetzung fürs Gelingen einer Sachen. Daher in so einem Fall: Pause machen, was anderes tun, Kopf frei bekommen – weiter üben!

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Podcast Nr. 29 – Agata Lattka über Pole Dance, die Burlesque-Philosophie und warum jede Frau sexy sein kann

Heute hatte ich das Vergnügen, meine ehemalige Mitschülerin Agata Lattka zu interviewen (Agata und ich haben – zusammen mit Stefanie Winny, die ich hier ja auch schon interviewen durfte – zusammen Abi gemacht und hatten mehrere Jahre zusammen Deutsch-Leistungskurs und Philosophie an der gleichen Schule – an dieser Stelle Grüße an Herrn Heidrich!!). Obwohl Agata und ich sogar ähnliche Fächer studiert haben, haben wir uns nach der Schule aus den Augen verloren und ich habe sie erst vor ein paar Jahren zufällig wiedergetroffen. Da habe ich dann erfahren, dass Agata das erste Berliner Pole Dance Studio eröffnet hat, was ich bereits damals äußerst bemerkenswert fand.
Im Rahmen meines Podcasts, in dem ich Menschen interviewen möchte, die etwas Tolles, Inspirierendes und Außergewöhnliches in ihrem Leben tun, war Agata daher diejenige, die mir als erstes eingefallen ist! 🙂 Deshalb habe ich mich riesig gefreut, dass es heute mit unserem Interview geklappt hat und wünsche Euch viel Spaß beim Anhören! Ich spreche mit Agata über ihr Studio, über Pole Dance und darüber, was es mit der Burlesque-Philophie auf sich hat.

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Podcast Nr. 28 – Peter Nordstrand über seine Arbeit und das erste Göteborger Improfest

Beim ersten Auswärts-Gig meiner Impro-Gruppe „die Improbanden“ im Rahmen des Göteborger Improfests Ende letzter Woche hatte ich Gelegenheit, mit dem Initiator des Festivals, Peter Nordstrand, im Backstage-Bereich des Aftonstjärnan Theaters zu sprechen (welcher übrigens die Überbleibsel einer original schwedischen Wohnung aus dem 20. Jahrhundert enthält). Ich spreche mit Peter über ihn, über Impro und natürlich über das erste Improfest in Göteborg, das für mich ein wunderbares und unvergessliches Erlebnis bleiben wird! Viel Spaß beim Reinhören!

Peter Nordstrand im Backstage-Bereich des Teater Aftonstjärnan

Peter Nordstrand im Backstage-Bereich des Teater Aftonstjärnan

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Wie lernt man, „schnell“ Impro zu spielen?

Lange Zeit haben ich und einige Mitspieler aus meiner Impro-Gruppe uns gefragt, wie man es lernen kann, „schnell“ Impro zu spielen – also auf der Bühne schnell zu reagieren, sei es direkt beim Beginn einer Szene „schon dort zu sein“ (anstatt erst auf die Bühne zu kommen), oder als Hinzukommender rasch etwas zu etablieren (und nicht erst lange um das goldene Kalb herum zu tänzeln), oder sich in einer Zweier-Szene einen schnellen verbalen Schlagabtausch zu liefern.

Wir hatten dies bei verschiedenen Spielern aus den Staaten wie Lisa Rowland oder Tim Orr, aber auch immer wieder bei den Crumbs oder anderen Gruppen aus dem angelsächsischen Raum bewundern können. Wir hatten schon die Arbeitsthese gebildet, dass „Schnell-Spielen“ einfach so ein amerikanisch-englisches Ding ist, und wir Deutschen das einfach nicht so gut können oder das einfach nicht so „unser Ding“ ist.

Ich habe inzwischen eine andere These: Ich glaube, schnelles Spielen und schnelles Reagieren passiert in dem Moment, in dem unser Spiel hauptsächlich vom Bauch, und nicht mehr vom Kopf gesteuert ist. Der Bauch reagiert immer schneller, als der Kopf, da die Reaktion hier intuitiv, und nicht kontrolliert passiert. Es ist das alte Spiel, das uns immer wieder begegnet, wenn wir eine Weile lang Impro spielen: Der Kopf möchte übernehmen, weil er besser das Geschehen kontrollieren kann, denn wir haben Angst, Fehler zu machen, oder etwas „nicht gut“ zu machen – und wir wollen unsere Sache ja gut machen!

Hier in einen Modus des „Vertrauens zum Impro-Gott“ oder auch zu seinem eigenen Bauchgefühl zu kommen, ist gar nicht so einfach. Denn im Prinzip geht es hierbei ja darum, eine gewisse „Angstfreiheit“ und ein gewisses Selbstvertrauen zu erlangen, den Entscheidungen seines Bauches blitzschnell zu folgen (in dem Vertrauen, dass sie schon die richtigen Entscheidungen sein werden).

Und bevor wir das tun können, ist es wichtig, erst einmal eine Verbindung mit seinem Bauchgefühl aufzunehmen. Ich glaube, jeder Mensch hat diese Verbindung, nur bei einigen von uns ist sie im Laufe der Jahre (seit wir Kind waren) etwas verschüttet worden und muss erst wieder „entdeckt“ werden. Leider helfen hier keine Technik und kein Lernen von Regeln oder Mechanismen, sondern es geht wieder vielmehr um den so häufig zitierten Begriff der „Persönlichkeitsentwicklung“. Und das ist gar nicht so einfach zu lernen, ich würde es fast als „Lebensaufgabe“ bezeichnen – aber unmöglich ist es nicht, und auch hier hilft Erfahrung, d.h. üben, üben, üben.

Und je weiter wir in diesem „Projekt“ kommen, um so mehr profitieren wir auch außerhalb von der Bühne von dieser Fähigkeit! Denn am Ende des Tages ist unser Gefühl der einzige Kompass, den wir haben, um Entscheidungen in unserem Leben zu treffen. Wir können unsere Entscheidung am Außen, an rationalen Gründen und dem, „was vernüftig ist“ orientieren – und ich würde immer empfehlen, diese Dinge bei wichtigen Entscheidungen auf jeden Fall zu betrachten, denn sie haben uns etwas Wichtiges zu sagen. Die Frage ist nur: Basieren wir unsere Entscheidungen ausschließlich auf diesen Kritieren, sind diese Entscheidungen dann tragfähig in dem Sinne, dass sie uns langsfristig glücklich machen können?

Ich plädiere also dafür, sich „mit seinem Bauch“ zu verbinden! Hört einmal in Euch rein, was Euch umtreibt. Was fühlt Ihr? Wie geht es Euch gerade? Und ich meine nicht: Wie sollte es mir gerade gehen, anlässlich der aktuellen Situation, sondern: Wie geht es mir gerade? Was fühle ich eigentlich jetzt gerade? Dies zu erkennen und benennen zu können ist m.E. der erste und größte Schritt auf sein Bauchgefühl zu. Der Rest kommt dann mit üben, üben, üben – ob im Impro oder im Leben generell 🙂

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Podcast Nr. 27 – Roland Trescher über Impro als Tool zur Persönlichkeitsentwicklung und Relevanz im Impro-Theater

Am heutigen, wunderbar warmen und sonnigen Mittwoch-Abend war der charmante Roland Trescher aus München unter tropischen Bedingungen zu Gast in meinem kleinen Aufnahmestudio. In hochsommerlicher Atmosphäre plauderten wir darüber, wie und warum sich Impro ausgezeichnet zur Persönlichkeitsentwicklung eignet, und warum Roland das Thema „Relevanz“ im Impro-Theater so wichtig findet. Ich wünsche Euch viel Spaß, inspirierende Momente und eine laue Brise im Haar beim Anhören dieses heiteren Gesprächs.

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Podcast No. 26 – Lyndsey Cockwell über den Berlin Pop Choir und das Berlin Pop Ensemble

Wer meinen Podcast kennt, weiß, dass dies bisher ein reiner Impro-Podcast war. An einem Abend vor einigen Wochen jedoch hatte ich in einer Bierlaune die Idee, dass es doch hübsch wäre, meinen Podcast etwas zu öffnen und auch mit Leuten zu sprechen, die nicht in erster Linie Improvisateure sind, die aber dennoch etwas tun, das ich super schön und total inspirierend finde! Daher kam es, dass ich die Idee hatte, Lyndsey Cockwell als ersten „Nicht-Impro-Gast“ in meinem Podcast zu interviewen. So trafen wir uns an einem sonnigen Freitag Nachmittag in Lyndseys Wohnung in Kreuzberg, um über sie, den Berlin Pop Choir und den schrecklichen Public Transport in London zu plaudern. Viel Spaß (das Interview ist in Englischer Sprache)!

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Podcast Nr. 25 – Verena Lohner über Impro, Zombies und die Steife Brise

Letztes Wochenende habe ich, in einem außerordentlich engen Schedule zwischen einem Impro-Workshop mit den Improbanden und einer Show im Ratibor-Theater im Rahmen der IMPRO 2015, Verena Lohner von der Steifen Brise bei mir zu Hause interviewt. Wir sprechen über Verena und über die Steife Brise, und deren Hintergründe und Werdegänge. Insgesamt ist Verena mein dritter Interview-Gast von der Steifen Brise (nach Katharina Butting und Ralf Schmitt).

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Muster

Ich weiß nicht, warum, aber aus irgendeinem Grund sucht mein Verstand immer und überall nach Mustern – nach gleichförmigen, reproduzierbaren Strukturen in den unterschiedlichsten Dingen und Kontexten. So auch im Impro. Dort habe ich jüngst (in den letzten Stunden) folgende „Epiphany“ gehabt, was die Muster angeht, indem mir folgende zwei Grundmuster klar geworden sind:

1. Es geht die ganze Zeit darum, das im Alltag so vertraute und oft gesehene (ob bei pubertierenden Kids in der U-Bahn oder auf Regierungs-Ebene in manchen Staaten) Muster von Dominanz und Unterwerfung durch das Muster der Kooperation zu ersetzen – also nicht die Führung aufgrund von Dominanz und Stärke zu haben, sondern zu führen indem ich dem Geführten und seinen Bedürfnissen ein Stück weit folge (und er mir), so dass es am Ende gar keinen ganz klar Führenden mehr gibt. Und das fällt den meisten Menschen – in meiner Wahrnehmung – nicht leicht. Ich habe gegrübelt, warum das so ist, ob dieser Wunsch nach Dominanz, nach Führung irgendeine anthropologische Konstante oder sowas ist; unser „Ego“ eben. Und, ich glaube, unser „Ego“ ist so eine anthropologische Konstante, die JEDER von uns mitbringt, und wir müssen daran arbeiten, dieses halbwegs in Schach zu halten zugunsten von Kooperation. Nicht umsonst geht es auch in so vielen Religionen darum, genau dieses Ego „zu überwinden“. Denn Kooperation scheint mir doch auf so vielen Ebenen (rational und emotional) die vernünftigere, sinnvollere, angenehmere, freundlichere, entspanntere Wahl zu sein im Vergleich zum ewigen Status-, Kompetenz- und Führungsgerangel der Menschen. Im Impro drückt sich dieses Dominanz-Gerangel durch „Blocken“ aus: „Nein, wir spielen nicht Deine Geschichte, wir spielen meine Geschichte! Nänänänänä!“ Dieses Verhalten sehe ich selbst bei den erfahrensten, professionellsten Impro-Spielern immer wieder. „Dabei müssten die es doch besser wissen!“ denke ich mir dann – wissen sie auch, aber es ist eben ein Unterschied zwischen Wissen und Umsetzung. Darum sind für mich die besten Impro-Spieler tatsächlich nach vor die, die in (fast) allen Umständen in der Lage sind, kooperativ zu spielen, denn so entsteht der beste Flow. Und dies ist absolut Tagesform-abhängig. „Kooperativ“ zu spielen, unser Ego und die altbekannten und vertrauten Muster von Dominanz und Unterwerfung hinter uns zu lassen, kostet viel Energie und „Gewahr-Sein“, und die hat man eben nicht immer.

2. Es geht beim Impro immer um die Vereinbarkeit bzw. ein Zusammenspiel von „rechter“ und „linker“ Gehirnhälfte bzw. den „Tugenden“, für die diese stehen: Früher fand ich es ganz toll, wenn Impro „intuitiv“ passiert, aus dem Bauch heraus, „im Flow“ – das finde ich auch immer noch! Aber es braucht eben auch den Verstand, um etwas wirklich Großes daraus zu machen. Ich muss in der Lage sein, mich an bestimmte Elemente der Geschichte zu erinnern und diese sinnvoll „einzusammeln“, mit dem zu verknüpfen, was schon da ist. Wenn ich mich aber nur auf meinen Verstand verlasse und an das Verknüpfen, Zusammenführen und Analysieren dessen, was schon da ist und was noch gebraucht wird, denke, wird es nicht gut. Umgekehrt wird es aber eben auch nicht gut, wenn ich nur „aus dem Bauch heraus“ spiele, wie mir gerade ist, und Angebot über Angebot mache – am Ende viel zu viele, um sie alle „zu bedienen“. Deshalb ist eben auch hier das „Sowohl als auch“ so entscheidend, und die gute Mischung von Kopf und Bauch, um es mal ganz platt zu sagen. Eine nicht gut austarierte Balance dieser beiden Elemente führt zu einem Missklang – bei einzelnen Spielern genauso wie bei ganzen Ensembles.

Ich bin mir sicher, es gibt viele weitere Grundmuster, die sich beim Impro offenbaren. Und mein Verstand wird auch sicherlich weiterhin danach Ausschau halten. Vielleicht wisst Ihr ja auch ein paar!?

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