Allgemein

Let your partner shine

Mal wieder ringe ich mit mir, ob es so eine gute Idee ist, diesen Artikel zu schreiben und zu veröffentlichen, aber ich mache es einfach mal.

Wahrscheinlich kennt jeder von Euch eine Person im eigenen sozialen Umfeld, deren Gruppenverhalten Euch in irgendeiner Weise antriggert oder m.a.W. „unangenehm berührt“. So auch ich. Bei mir ist es eine Person (nein, und ich werde nicht verraten, wer es ist), die sich in größeren Gruppen gerne selbst profiliert und ihre eigenen Kompetenzen über den Klee lobt.* Dies hat auf mich zwei Effekte, die ich als unangenehm empfinde: Continue reading

Flattr this!

Das brannte mir jetzt mal unter den Nägeln.

Ganz ehrlich: ich stelle es mir als Chef alles andere als einfach vor, ein Unternehmen mit mehreren Mitarbeitern zu führen. Was ich als Chef von einem Mitarbeiter möchte ist ja, dass er in „meinem Sinne“ agiert. Dazu gehört Vertrauen – oder eben Kontrolle: Ich kann die Arbeit in so kleine Häppchen einteilen, dass ich sie einfach delegieren kann und mehr oder weniger jeder mit den dazu passenden Skills sie erledigen kann. Dann bin ich i.d.R. auf Nummer Sicher gegangen, und das führt dann zu solchen Situationen und Konstellation wie die in diesem Artikel beschriebenen. Continue reading

Flattr this!

Liebster Award

„Juchu!“ entfuhr es mir neulich, als ich erfuhr, dass Stephan Ziron mich neulich für den „Liebster Award“ vorgeschlagen hat. Der Liebster-Award scheint nach dem Prinzip eines Kettenbriefes zu funktionieren und bezeichnet sich selbst als einen „Award“ (Auszeichnung), da jeder mitmachende Blog ja von jemand anders ausgezeichnet wurde und selbst auch wieder andere Blogs auszeichnet. Ich möchte gerne zwei Blogs für den Liebster Award nominieren, und zwar einmal den Blog von meinem lieben Kollegen und Freund Andreas Mueller auf seiner Webseite „Hello Presence“, weil Andi zwar nicht viel / oft Artikel veröffentlicht, aber dafür m.E. qualitativ sehr hochwertige, gut formulierte und auf den Punkt gebrachte Artikel mit relevantem und dichtem Inhalt. Und als zweites den Impro Blog von Dan Richter, weil Dan großartige, vielfältige und sehr differenzierte Artikel rund um alle möglichen Themen auf und außerhalb der Impro-Bühne publiziert. Eure Fragen findet Ihr unten. Continue reading

Flattr this!

Podcast Nr. 42 – Noni Höfner & Charlotte Cordes über ProSA und Impro

Letztes Wochenende war ich zum zweiten Mal dieses Jahr in Köln, um mich in „ProSA“ – Provokativem Systemischen Arbeiten bei Dr. Noni Höfner und Dr. Charlotte Cordes fortzubilden. Dieses Mal wollte ich mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen und habe sie dafür genutzt, ein Interview mit Lotte und Noni für meinen Podcast aufzunehmen. Noni und Lotte sind so etwas wie Pioniere des provokativen Ansatzes in Deutschland und haben seinerzeit Frank Farrelly, der den Ansatz ursprünglich entwickelt hat, nach Deutschland geholt. Sie betreiben das Deutsche Institut für Provokative Therapie und haben ihr Wissen bereits an dutzende Therapeuten, Coaches, Berater, Mediatoren und weitere Interessierte weitergegeben. Im Podcast erklären die beiden, wie sie zum provokativen Ansatz gekommen sind, was dahinter steckt und – natürlich! – was das Ganze mit Impro zu tun hat. Viel Spaß! Continue reading

Flattr this!

Klischees, Tabus und der innere Zensor

In meinem Impro-Universum ist mir in den letzten Tagen und Wochen immer wieder das Thema „Was darf ich auf der Bühne spielen?“ begegnet. Das hat mich zum Nachdenken gebracht und ich möchte Euch meine Gedanken dazu gerne mitteilen. Generell ist meine Grundhaltung fürs Impro-Theater: Keine Tabus im Impro. Möglicherweise reagiert der eine oder andere darauf mit Widerstand, nämlich insofern, dass eingewendet wird: Was ist mit frauenfeindlichen, schwulenfeindlichen oder sonstwie menschenverachtenden und diskriminierenden Äußerungen? Die kann man doch nicht einfach so unreflektiert auf der Bühne raus posaunen! Das stimmt. Dennoch plagt mich die Befürchtung, dass aus Ehrfurcht vor und im Angesicht von zu viel „Political Correctness“ das Impro-Spiel darunter leidet. Ferner schränkt uns der ständige Versuch, auf der Bühne so politisch korrekt wie möglich sein zu wollen, in unserer spielerischen Freiheit ein.

Continue reading

Flattr this!

Für den BIM im Radio und das gleich zwei Mal!

Im Rahmen des großartigen BIM (Berliner Impro Marathon), der kommendes Wochenende bereits schon zum fünften Mal steigt, war ich diese Woche gleich zwei Mal im Radio zu hören! Continue reading

Flattr this!

Manipulation

Ich habe lange mit mir gehadert, aber nun fühle ich mich doch berufen, einen Blog-Artikel zum Thema „Manipulation“ zu schreiben. Der Begriff „Manipulation“ hat einen sehr schlechten Ruf, insbesondere im Zusammenhang mit NLP (sog. „Neurolinguistisches Programmieren“) oder verwandten Techniken. Er hat dort so sinngemäß die Bedeutung: Jemand anderen dazu bringen etwas zu tun, das er „eigentlich“ nicht möchte (und das ihm vielleicht sogar schadet). Tendenziell kombiniert damit, dass ich einen Vorteil davon habe, während die Folgen für den anderen mir egal sind. Der Begriff hat auch etwas von „übertricksen“, übertölpeln, austricksen u.ä.

Continue reading

Flattr this!

Gedanken über Hoch- und Tiefstatus

Eine Diskussion, die kürzlich in einer deutschen Facebook-Gruppe für Impro-Spieler statt fand hat mich dazu inspiriert, ein paar Gedanken zum Thema Status aufzuschreiben. Ausgangspunkt der Debatte auf FB war, dass ein Spieler schrieb, er habe häufig Schwierigkeiten, den Tiefstatus zu spielen. Hierauf gab es mehrere Antworten von anderen Spielern mit hilfreichen Tipps und Anregungen zum Spielen des Tiefstatus. Jedoch habe ich beim Lesen dieser Tipps häufig gemerkt, dass mir die Charakterisierung von Hoch- und Tiefstatus zu eindimensional und schablonenhaft sind. Für die Bühne mag das sehr gut taugen, aber sobald es darum geht, den Status-Begriff auch auf das „normale Leben“ auszuweiten, reicht der eindimensionale Begriff von Hoch- und Tiefstatus m.E. nicht mehr aus. Konkret angetriggert hat mich die Aussage, dass es charakteristisches und ihm immanentes Merkmal des Tiefstatus sei, stets nach Sicherheit zu streben, und dass er motiviert ist durch das, was im Außen passiert. Ich glaube, dass es auch Typen mit Hochstatus-Verhalten gibt, deren Antrieb ein immenses Sicherheitsbedürfnis ist, und Tiefstatusse, die in sich ruhen und glücklich sind und nicht von dem, was außen um sie herum ist, abhängig sind oder motiviert werden („Kontemplation“). Continue reading

Flattr this!

Impro und Gewaltfreie Kommunikation

Ein paar Mal habe ich in den letzten Monaten Montag früh im Meeet in Wilmersdorf einen Impro-Workshop für Coaches und Trainer unter dem Motto „Mit Impro schwungvoll in die Woche starten!“ angeboten. Was als Vertretung für den lieben Urban Luig angefangen hat, werde ich in Zukunft regelmäßig alle zwei Wochen im Wechsel mit Urban gestalten.

Nach meinem letzten Vormittag bei Meeet war eine Teilnehmerin scheinbar so inspiriert, dass Sie Ihre Erlebnisse und Erfahrungen in einem Blog-Artikel beschrieben hat. Susanne Lorenz ist Trainerin für gewaltfreie Kommunikation (GfK auf Wikipedia) und ich danke ihr an dieser Stelle herzlich für diesen schönen Artikel!

Gleichzeitig möchte ich diese Gelegenheit nutzen, auch endlich einmal über die Parallelen und Gemeinsamkeiten von Gewaltfreier Kommunikation und Impro zu schreiben – ein Thema, das mich gedanklich schon länger umtreibt. Denn, wie auch Susanne schon in ihrem Blog-Artikel schreibt: Auch ich sehe Zusammenhänge mit der wertschätzenden bzw. gewaltfreien Kommunikation.

Die größte Parallele, die ich zur gewaltfreien Kommunikation sehe, ist einerseits die Haltung des grundlegenden Akzeptierens im Improvisationstheater („Au ja!“), andererseits die Haltung des „Let your partner shine“ – also den Fokus weg von sich selbst und die Sorgen um die eigene Wirkung zu legen, hin zu einer empathischen Haltung dem Mitspieler gegenüber. Genau das ist es, worum es auch in der gfK geht: Wie kann ich gerade „beim“ anderen sein (anstatt bei mir)? Was könnte im Moment das Gefühl der anderen Person sein, und wie kann ich – auch im Angesicht meiner eigenen Gefühle – gerade gut darauf reagieren? Und gut heißt hier: Wertschätzend, d.h. ohne den anderen zu beschimpfen, abzuwerten, zu be- bzw. verurteilen oder zu diagnostizieren (in der GfK werden diese Ausprägungen von Kommunikation auch als „Wolfssprache“ bezeichnet, während die gewaltfreie Kommunikation den selbstgewählten Beinamen „Giraffensprache“ trägt). Es geht nicht darum, was DU falsch gemacht hast und darauf herum zu reiten und Schuld zuzuweisen, sondern was ICH machen kann, um die Gesamtsituation MIT DIR ZUSAMMEN zu verbessern. Das „Akzeptieren“ im Impro bezieht sich – im übertragenen Sinne – genau darauf: Die Situation ist, wie sie jetzt gerade nun mal ist, und anstatt sie innerlich zu bekämpfen, oder sogar anderen die Schuld dafür zuzuweisen und in Jammmern, Meckern oder Passivität zu verfallen, nehme ich die Situation an und versuche, mit ihr umzugehen. Genau das passiert im Idealfall auch auf der Bühne!

Ferner geht es auch beim Impro darum, selbst aktiv in das Geschehen (z.B. eine Szene) einzusteigen, und die Verantwortung für das eigene Spiel und die Szene zu übernehmen – anstatt auf die Bühne zu gehen und zu warten, bis der andere einen „mit-definiert“ (was einem Zurückweisen der eigenen Verantwortung gleich kommt; wenn zwei Mitspieler mit einer derartigen Haltung auf die Bühne gehen, passiert eine lange Zeit lang erst einmal gar nichts). Auch in der gewaltfreien Kommunikation gibt es den Anspruch, dass Menschen die Verantwortung für ihre eigenen Gefühle und Handlungen übernehmen, und nicht anderen die Verantwortung dafür überhelfen (nach dem Motto: „Du hast gemacht, dass es mir schlecht geht, weil Du mich schlecht behandelst!“ – diesen Anspruch teilt die GfK übrigens mit anderen Kommunikationstheorien wie z.B. der Transaktionsanalyse). Diese Haltung ermöglicht es Menschen, sich als Herr ihres Schicksals wahrzunehmen, anstelle als passiven Spielball, der den Worten und Taten der Mitmenschen hilflos ausgeliefert ist.

Sowohl Impro als auch GfK können Menschen also dabei helfen, in dieser Art und Weise Verantwortung für sich selbst, ihr Handeln und ihre Gefühle zu übernehmen, was ich für ein sehr erstrebenswertes Ziel halte.

Flattr this!

Wie lernt man, „schnell“ Impro zu spielen?

Lange Zeit haben ich und einige Mitspieler aus meiner Impro-Gruppe uns gefragt, wie man es lernen kann, „schnell“ Impro zu spielen – also auf der Bühne schnell zu reagieren, sei es direkt beim Beginn einer Szene „schon dort zu sein“ (anstatt erst auf die Bühne zu kommen), oder als Hinzukommender rasch etwas zu etablieren (und nicht erst lange um das goldene Kalb herum zu tänzeln), oder sich in einer Zweier-Szene einen schnellen verbalen Schlagabtausch zu liefern.

Wir hatten dies bei verschiedenen Spielern aus den Staaten wie Lisa Rowland oder Tim Orr, aber auch immer wieder bei den Crumbs oder anderen Gruppen aus dem angelsächsischen Raum bewundern können. Wir hatten schon die Arbeitsthese gebildet, dass „Schnell-Spielen“ einfach so ein amerikanisch-englisches Ding ist, und wir Deutschen das einfach nicht so gut können oder das einfach nicht so „unser Ding“ ist.

Ich habe inzwischen eine andere These: Ich glaube, schnelles Spielen und schnelles Reagieren passiert in dem Moment, in dem unser Spiel hauptsächlich vom Bauch, und nicht mehr vom Kopf gesteuert ist. Der Bauch reagiert immer schneller, als der Kopf, da die Reaktion hier intuitiv, und nicht kontrolliert passiert. Es ist das alte Spiel, das uns immer wieder begegnet, wenn wir eine Weile lang Impro spielen: Der Kopf möchte übernehmen, weil er besser das Geschehen kontrollieren kann, denn wir haben Angst, Fehler zu machen, oder etwas „nicht gut“ zu machen – und wir wollen unsere Sache ja gut machen!

Hier in einen Modus des „Vertrauens zum Impro-Gott“ oder auch zu seinem eigenen Bauchgefühl zu kommen, ist gar nicht so einfach. Denn im Prinzip geht es hierbei ja darum, eine gewisse „Angstfreiheit“ und ein gewisses Selbstvertrauen zu erlangen, den Entscheidungen seines Bauches blitzschnell zu folgen (in dem Vertrauen, dass sie schon die richtigen Entscheidungen sein werden).

Und bevor wir das tun können, ist es wichtig, erst einmal eine Verbindung mit seinem Bauchgefühl aufzunehmen. Ich glaube, jeder Mensch hat diese Verbindung, nur bei einigen von uns ist sie im Laufe der Jahre (seit wir Kind waren) etwas verschüttet worden und muss erst wieder „entdeckt“ werden. Leider helfen hier keine Technik und kein Lernen von Regeln oder Mechanismen, sondern es geht wieder vielmehr um den so häufig zitierten Begriff der „Persönlichkeitsentwicklung“. Und das ist gar nicht so einfach zu lernen, ich würde es fast als „Lebensaufgabe“ bezeichnen – aber unmöglich ist es nicht, und auch hier hilft Erfahrung, d.h. üben, üben, üben.

Und je weiter wir in diesem „Projekt“ kommen, um so mehr profitieren wir auch außerhalb von der Bühne von dieser Fähigkeit! Denn am Ende des Tages ist unser Gefühl der einzige Kompass, den wir haben, um Entscheidungen in unserem Leben zu treffen. Wir können unsere Entscheidung am Außen, an rationalen Gründen und dem, „was vernüftig ist“ orientieren – und ich würde immer empfehlen, diese Dinge bei wichtigen Entscheidungen auf jeden Fall zu betrachten, denn sie haben uns etwas Wichtiges zu sagen. Die Frage ist nur: Basieren wir unsere Entscheidungen ausschließlich auf diesen Kritieren, sind diese Entscheidungen dann tragfähig in dem Sinne, dass sie uns langsfristig glücklich machen können?

Ich plädiere also dafür, sich „mit seinem Bauch“ zu verbinden! Hört einmal in Euch rein, was Euch umtreibt. Was fühlt Ihr? Wie geht es Euch gerade? Und ich meine nicht: Wie sollte es mir gerade gehen, anlässlich der aktuellen Situation, sondern: Wie geht es mir gerade? Was fühle ich eigentlich jetzt gerade? Dies zu erkennen und benennen zu können ist m.E. der erste und größte Schritt auf sein Bauchgefühl zu. Der Rest kommt dann mit üben, üben, üben – ob im Impro oder im Leben generell 🙂

Flattr this!