Allgemein

Klischees, Tabus und der innere Zensor

In meinem Impro-Universum ist mir in den letzten Tagen und Wochen immer wieder das Thema „Was darf ich auf der Bühne spielen?“ begegnet. Das hat mich zum Nachdenken gebracht und ich möchte Euch meine Gedanken dazu gerne mitteilen. Generell ist meine Grundhaltung fürs Impro-Theater: Keine Tabus im Impro. Möglicherweise reagiert der eine oder andere darauf mit Widerstand, nämlich insofern, dass eingewendet wird: Was ist mit frauenfeindlichen, schwulenfeindlichen oder sonstwie menschenverachtenden und diskriminierenden Äußerungen? Die kann man doch nicht einfach so unreflektiert auf der Bühne raus posaunen! Das stimmt. Dennoch plagt mich die Befürchtung, dass aus Ehrfurcht vor und im Angesicht von zu viel „Political Correctness“ das Impro-Spiel darunter leidet. Ferner schränkt uns der ständige Versuch, auf der Bühne so politisch korrekt wie möglich sein zu wollen, in unserer spielerischen Freiheit ein.

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Für den BIM im Radio und das gleich zwei Mal!

Im Rahmen des großartigen BIM (Berliner Impro Marathon), der kommendes Wochenende bereits schon zum fünften Mal steigt, war ich diese Woche gleich zwei Mal im Radio zu hören!

Das erste Mal am Dienstag bei der „Berliner Runde – Herzblut freie Szene“ zusammen mit macro und Thomas Jäkel (auch beide im BIM Orga-Team) auf Colaboradio:

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Und das zweite Mal gestern Vormittag im Interview mit Katia Berg bei FluxFM bei der Sendung „Stadt.Land.Flux“

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Ich weiß, dass das keine Entschädigung für den so lange nicht mehr erschienenen Podcast ist, aber vielleicht habt Ihr ja trotzdem Lust, mal rein zu hören!

Und kommt natürlich morgen alle zum BIM ab 18 Uhr in die Brotfabrik!! Tickets gibt’s ermäßigt schon für 10,- EUR (Vollpreis: 16,- EUR).

 

BIM_Verlauf

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Manipulation

Ich habe lange mit mir gehadert, aber nun fühle ich mich doch berufen, einen Blog-Artikel zum Thema „Manipulation“ zu schreiben. Der Begriff „Manipulation“ hat einen sehr schlechten Ruf, insbesondere im Zusammenhang mit NLP (sog. „Neurolinguistisches Programmieren“) oder verwandten Techniken. Er hat dort so sinngemäß die Bedeutung: Jemand anderen dazu bringen etwas zu tun, das er „eigentlich“ nicht möchte (und das ihm vielleicht sogar schadet). Tendenziell kombiniert damit, dass ich einen Vorteil davon habe, während die Folgen für den anderen mir egal sind. Der Begriff hat auch etwas von „übertricksen“, übertölpeln, austricksen u.ä.

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Gedanken über Hoch- und Tiefstatus

Eine Diskussion, die kürzlich in einer deutschen Facebook-Gruppe für Impro-Spieler statt fand hat mich dazu inspiriert, ein paar Gedanken zum Thema Status aufzuschreiben. Ausgangspunkt der Debatte auf FB war, dass ein Spieler schrieb, er habe häufig Schwierigkeiten, den Tiefstatus zu spielen. Hierauf gab es mehrere Antworten von anderen Spielern mit hilfreichen Tipps und Anregungen zum Spielen des Tiefstatus. Jedoch habe ich beim Lesen dieser Tipps häufig gemerkt, dass mir die Charakterisierung von Hoch- und Tiefstatus zu eindimensional und schablonenhaft sind. Für die Bühne mag das sehr gut taugen, aber sobald es darum geht, den Status-Begriff auch auf das „normale Leben“ auszuweiten, reicht der eindimensionale Begriff von Hoch- und Tiefstatus m.E. nicht mehr aus. Konkret angetriggert hat mich die Aussage, dass es charakteristisches und ihm immanentes Merkmal des Tiefstatus sei, stets nach Sicherheit zu streben, und dass er motiviert ist durch das, was im Außen passiert. Ich glaube, dass es auch Typen mit Hochstatus-Verhalten gibt, deren Antrieb ein immenses Sicherheitsbedürfnis ist, und Tiefstatusse, die in sich ruhen und glücklich sind und nicht von dem, was außen um sie herum ist, abhängig sind oder motiviert werden („Kontemplation“).

Ich halte es da mit Lee Whites Status Begriff, und bisher konnte mich auch noch niemand von einer anderen Meinung überzeugen: Wenn Marilyn Monroe sich herunterbeugt und wispert „Can I have some diamonds, please?“ dann hat sie den hohen Status. Und eine glückliche, in sich sich selbst ruhende und zufriedene Person, hat in der Regel eher einen tiefen Status – und dazu gehört für mich z.B. auch der Dalai Lama.

Vielmehr denke ich, dass das Thema vielschichtiger ist; was ist z.B. mit einem Coach? In der Beziehung Coach-Klient ist er eindeutig in der Rolle mit mehr Macht, also der Hochstatus – und das ist beiden (Klient und Coach) auch klar. Aber in der konkreten Coaching-Situation nimmt der Coach sich total zurück und lässt den Klienten „erblühen“, sich ausleben, in seine Kraft kommen, folgt ihm, indem er ihn spiegelt, nicht dominiert etc. – ist also im Tiefstatus, während der Klient im Hochstatus ist. Ähnlich der Kontrollfreak: Nach außen ist er dominant und kontrolliert und gängelt andere, bis diese möglicherweise völlig entnervt sind. Aber innerlich ist er eine arme Wurst, weil er unsicher ist und nach Sicherheit um jeden Preis strebt – also ein Tiefstatus. Ich bin davon überzeugt, dass es so etwas wie inneren und äußerern Status gibt, von dem wir auf der Bühne jedoch i.d.R. nur den äußeren sehen.

Keith Johnstone charakterisiert den Hochstatus kurz mit ungefähr folgenden Worten „Komm mir nicht zu nahe, oder ich beiße!“ (also bedrohend, bissig) und die Haltung des Tiefstatus als „Tu mir nichts, ich bin es nicht wert!“ – nach dieser Definition dürfte es so etwas wie positiven Hochstatus (der großzügige Chef, der am Wohlergehen und Weiterentwicklung seiner Mitarbeiter interessiert ist) eigentlich gar nicht geben, denn der Hochstatus ist dann per se „bissig“ und hat eine Tendenz zu drohen, wenn ihm jemand zu nahe kommt oder ihm etwas nicht passt (erzeugt also bei anderen ein latentes Gefühl der Angst).* Aber es gibt solche Leute wie den großzügigen Chef und ich glaube, dass sie genau diejenigen sind, die innerlich den Hochstatus haben, und sich äußerlich aber auch als Tiefstatus geben können, wenn die Situation es verlangt. Und diese Leute sind nicht bedrohlich und „mensch“ hat auch i.d.R. keine Angst vor ihnen – im Gegenteil, „mensch“ vertraut sich ihnen gerne an und lässt sich von ihnen führen. Ich zumindest habe Vertrauen zu solchen Menschen und keine Angst. Von einem bedrohlichen Hochstatus, vor dem ich Angst habe, lasse ich mich hingegen nicht gerne führen.

Auch hier halte ich es mit Lee White: Status ist nicht etwas, das man hat, sondern das andere einem geben. Bzw. würde ich es sogar reziprok, also als Prozess sehen: Jemand kann als Tiefstatus-Person anfangen, tut etwas, das erfolgreich ist und erntet dafür Anerkennung -> bekommt also Status von anderen, und passt vielleicht daraufhin wiederum sein Verhalten an, so dass es „Hochstatus-iger“ wird – woraufhin der Prozess weiter angefeuert werden kann, in einer reziproken Dynamik. Das ist ein Prozess. Auf der Bühne benutzen wir Status jedoch als eine statische Eigenschaft einer Figur, und das ist auch okay so. Denn es gibt unseren Figuren mehr Profil, eine realistische Dimension. Aber im „realen Leben“ ist Status für mich ein Prozess und deshalb wandelbar und veränderlich.

* Und auch den positiven, unbekümmerten Tiefstatus à la Goofy dürfte es nicht geben, weil der Tiefstatus per se permanent ängstlich sein und sich minderwertig fühlen müsste.

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Impro und Gewaltfreie Kommunikation

Ein paar Mal habe ich in den letzten Monaten Montag früh im Meeet in Wilmersdorf einen Impro-Workshop für Coaches und Trainer unter dem Motto „Mit Impro schwungvoll in die Woche starten!“ angeboten. Was als Vertretung für den lieben Urban Luig angefangen hat, werde ich in Zukunft regelmäßig alle zwei Wochen im Wechsel mit Urban gestalten.

Nach meinem letzten Vormittag bei Meeet war eine Teilnehmerin scheinbar so inspiriert, dass Sie Ihre Erlebnisse und Erfahrungen in einem Blog-Artikel beschrieben hat. Susanne Lorenz ist Trainerin für gewaltfreie Kommunikation (GfK auf Wikipedia) und ich danke ihr an dieser Stelle herzlich für diesen schönen Artikel!

Gleichzeitig möchte ich diese Gelegenheit nutzen, auch endlich einmal über die Parallelen und Gemeinsamkeiten von Gewaltfreier Kommunikation und Impro zu schreiben – ein Thema, das mich gedanklich schon länger umtreibt. Denn, wie auch Susanne schon in ihrem Blog-Artikel schreibt: Auch ich sehe Zusammenhänge mit der wertschätzenden bzw. gewaltfreien Kommunikation.

Die größte Parallele, die ich zur gewaltfreien Kommunikation sehe, ist einerseits die Haltung des grundlegenden Akzeptierens im Improvisationstheater („Au ja!“), andererseits die Haltung des „Let your partner shine“ – also den Fokus weg von sich selbst und die Sorgen um die eigene Wirkung zu legen, hin zu einer empathischen Haltung dem Mitspieler gegenüber. Genau das ist es, worum es auch in der gfK geht: Wie kann ich gerade „beim“ anderen sein (anstatt bei mir)? Was könnte im Moment das Gefühl der anderen Person sein, und wie kann ich – auch im Angesicht meiner eigenen Gefühle – gerade gut darauf reagieren? Und gut heißt hier: Wertschätzend, d.h. ohne den anderen zu beschimpfen, abzuwerten, zu be- bzw. verurteilen oder zu diagnostizieren (in der GfK werden diese Ausprägungen von Kommunikation auch als „Wolfssprache“ bezeichnet, während die gewaltfreie Kommunikation den selbstgewählten Beinamen „Giraffensprache“ trägt). Es geht nicht darum, was DU falsch gemacht hast und darauf herum zu reiten und Schuld zuzuweisen, sondern was ICH machen kann, um die Gesamtsituation MIT DIR ZUSAMMEN zu verbessern. Das „Akzeptieren“ im Impro bezieht sich – im übertragenen Sinne – genau darauf: Die Situation ist, wie sie jetzt gerade nun mal ist, und anstatt sie innerlich zu bekämpfen, oder sogar anderen die Schuld dafür zuzuweisen und in Jammmern, Meckern oder Passivität zu verfallen, nehme ich die Situation an und versuche, mit ihr umzugehen. Genau das passiert im Idealfall auch auf der Bühne!

Ferner geht es auch beim Impro darum, selbst aktiv in das Geschehen (z.B. eine Szene) einzusteigen, und die Verantwortung für das eigene Spiel und die Szene zu übernehmen – anstatt auf die Bühne zu gehen und zu warten, bis der andere einen „mit-definiert“ (was einem Zurückweisen der eigenen Verantwortung gleich kommt; wenn zwei Mitspieler mit einer derartigen Haltung auf die Bühne gehen, passiert eine lange Zeit lang erst einmal gar nichts). Auch in der gewaltfreien Kommunikation gibt es den Anspruch, dass Menschen die Verantwortung für ihre eigenen Gefühle und Handlungen übernehmen, und nicht anderen die Verantwortung dafür überhelfen (nach dem Motto: „Du hast gemacht, dass es mir schlecht geht, weil Du mich schlecht behandelst!“ – diesen Anspruch teilt die GfK übrigens mit anderen Kommunikationstheorien wie z.B. der Transaktionsanalyse). Diese Haltung ermöglicht es Menschen, sich als Herr ihres Schicksals wahrzunehmen, anstelle als passiven Spielball, der den Worten und Taten der Mitmenschen hilflos ausgeliefert ist.

Sowohl Impro als auch GfK können Menschen also dabei helfen, in dieser Art und Weise Verantwortung für sich selbst, ihr Handeln und ihre Gefühle zu übernehmen, was ich für ein sehr erstrebenswertes Ziel halte.

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Wie lernt man, „schnell“ Impro zu spielen?

Lange Zeit haben ich und einige Mitspieler aus meiner Impro-Gruppe uns gefragt, wie man es lernen kann, „schnell“ Impro zu spielen – also auf der Bühne schnell zu reagieren, sei es direkt beim Beginn einer Szene „schon dort zu sein“ (anstatt erst auf die Bühne zu kommen), oder als Hinzukommender rasch etwas zu etablieren (und nicht erst lange um das goldene Kalb herum zu tänzeln), oder sich in einer Zweier-Szene einen schnellen verbalen Schlagabtausch zu liefern.

Wir hatten dies bei verschiedenen Spielern aus den Staaten wie Lisa Rowland oder Tim Orr, aber auch immer wieder bei den Crumbs oder anderen Gruppen aus dem angelsächsischen Raum bewundern können. Wir hatten schon die Arbeitsthese gebildet, dass „Schnell-Spielen“ einfach so ein amerikanisch-englisches Ding ist, und wir Deutschen das einfach nicht so gut können oder das einfach nicht so „unser Ding“ ist.

Ich habe inzwischen eine andere These: Ich glaube, schnelles Spielen und schnelles Reagieren passiert in dem Moment, in dem unser Spiel hauptsächlich vom Bauch, und nicht mehr vom Kopf gesteuert ist. Der Bauch reagiert immer schneller, als der Kopf, da die Reaktion hier intuitiv, und nicht kontrolliert passiert. Es ist das alte Spiel, das uns immer wieder begegnet, wenn wir eine Weile lang Impro spielen: Der Kopf möchte übernehmen, weil er besser das Geschehen kontrollieren kann, denn wir haben Angst, Fehler zu machen, oder etwas „nicht gut“ zu machen – und wir wollen unsere Sache ja gut machen!

Hier in einen Modus des „Vertrauens zum Impro-Gott“ oder auch zu seinem eigenen Bauchgefühl zu kommen, ist gar nicht so einfach. Denn im Prinzip geht es hierbei ja darum, eine gewisse „Angstfreiheit“ und ein gewisses Selbstvertrauen zu erlangen, den Entscheidungen seines Bauches blitzschnell zu folgen (in dem Vertrauen, dass sie schon die richtigen Entscheidungen sein werden).

Und bevor wir das tun können, ist es wichtig, erst einmal eine Verbindung mit seinem Bauchgefühl aufzunehmen. Ich glaube, jeder Mensch hat diese Verbindung, nur bei einigen von uns ist sie im Laufe der Jahre (seit wir Kind waren) etwas verschüttet worden und muss erst wieder „entdeckt“ werden. Leider helfen hier keine Technik und kein Lernen von Regeln oder Mechanismen, sondern es geht wieder vielmehr um den so häufig zitierten Begriff der „Persönlichkeitsentwicklung“. Und das ist gar nicht so einfach zu lernen, ich würde es fast als „Lebensaufgabe“ bezeichnen – aber unmöglich ist es nicht, und auch hier hilft Erfahrung, d.h. üben, üben, üben.

Und je weiter wir in diesem „Projekt“ kommen, um so mehr profitieren wir auch außerhalb von der Bühne von dieser Fähigkeit! Denn am Ende des Tages ist unser Gefühl der einzige Kompass, den wir haben, um Entscheidungen in unserem Leben zu treffen. Wir können unsere Entscheidung am Außen, an rationalen Gründen und dem, „was vernüftig ist“ orientieren – und ich würde immer empfehlen, diese Dinge bei wichtigen Entscheidungen auf jeden Fall zu betrachten, denn sie haben uns etwas Wichtiges zu sagen. Die Frage ist nur: Basieren wir unsere Entscheidungen ausschließlich auf diesen Kritieren, sind diese Entscheidungen dann tragfähig in dem Sinne, dass sie uns langsfristig glücklich machen können?

Ich plädiere also dafür, sich „mit seinem Bauch“ zu verbinden! Hört einmal in Euch rein, was Euch umtreibt. Was fühlt Ihr? Wie geht es Euch gerade? Und ich meine nicht: Wie sollte es mir gerade gehen, anlässlich der aktuellen Situation, sondern: Wie geht es mir gerade? Was fühle ich eigentlich jetzt gerade? Dies zu erkennen und benennen zu können ist m.E. der erste und größte Schritt auf sein Bauchgefühl zu. Der Rest kommt dann mit üben, üben, üben – ob im Impro oder im Leben generell 🙂

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Wie Hollywood das Thema „Resilienz“ entdeckt – oder schon immer gekannt hat

Seien wir doch mal ehrlich: Fast jede romantische Komödie – und auch jede nicht-romantische Komödie – erzählt im Kern die Geschichte davon, wie ein Mensch gereift ist.

Vielleicht schaue ich insgesamt zu viele Filme, aber mir ist aufgefallen: viele dieser Komödien, die auf IMDB typischerweise eine Wertung zwischen 5 und 7 erhalten, erzählen von einem Menschen, der eine Wandlung durch macht, und zwar in der Hinsicht, dass er reifer wird: Identity Thief, Bruce Almighty, There’s Something about Mary und viele, viele andere. Was ist dieser Prozess der Reifung anderes, als das Ausbilden von Resilienz? Ein System (der Held) gerät durch irgendetwas aus dem Gleichgewicht, macht eine Wandlung durch, und findet zu einem neuen Gleichgewicht zurück. Oft „reifer“, als zuvor, indem er z.B. Glaubenssätze, die ihn bisher in seinem Leben behindert haben (vielleicht ohne, dass er sich dessen bewusst war), überwindet und zu einem differenzierteren Weltbild gelangt.

Ich zumindest liebe diese Art von Geschichten, was wahrscheinlich auch der Grund dafür ist, dass ich mir jede Komödie mit Adam Sandler, Jim Carrey, Steve Carell, Sandra Bullock, Ben Stiller, Cameron Diaz, Tina Fey, Jason Bateman, Jennifer Aniston, Melissa McCarthy, Reese Whitherspoon oder Will Farell, über die im Fernsehen oder auf Video ich stolpere, anschaue.

Auch mein Lieblingsroman „High Fidelity“ von Nick Hornby, sowie der Nachfolgeroman „About a Boy“ (ebenfalls beide verfilmt) handeln genau davon: Ein (in beiden Fällen männlicher) Held hat eine recht fest gefahrene Weltsicht in irgendeiner Hinsicht und meint, er sei damit glücklich, dies sei seine Identität. Dann passiert etwas, das dieses Weltbild fundamental erschüttert, und gegen das der Held sich zuerst wehrt. Schließlich lernt er, sich selbst, seinen Glaubenssatz zu verändern und wird zu einem reiferen, und meist besseren (liebenswürdigeren, toleranteren, gütigeren) Menschen.

Und, last but not least, zeigt meine jüngste Entdeckung, eine Internet-Fernsehserie namens „Orange is the new black“ auf großartigste Weise dieses Storytelling-Muster: Eine junge Frau, Mittelstand (manche würden sie wohl als „Yuppie“ bezeichnen), muss eine 15-monatige Haftstrafe für ein zehn Jahre zurück liegendes Vergehen antreten. Und auch hier wird uns wieder par excellence eine Heldin und ihre „Resilienz-Geschichte“ vorgeführt, bzw. ihr wiederholtes Scheitern an sich selbst und der neuen Umgebung – und wie sie sich und ihre bisherigen Glaubenssätze Stück für Stück hinterfragen und verändern muss; wie sie Entscheidungen treffen muss und lernt, für diese Verantwortung zu übernehmen, anstatt andere und deren Handlungen für ihr Schicksal verantwortlich zu machen. Auf diese Weise erlebt die Heldin „Rock-Bottom“, und damit eine Konzentration auf sich selbst, das Finden einer Stärke in sich selbst, die ihr innerhalb der Gefängnismauern eine Freiheit ermöglicht, die sie außen nie hatte. Ob das realistisch ist? Ich weiß es nicht. Aber es ist die Art Geschichte, die ich sehen möchte.

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Aus dem Archiv: Was ist Impro-Theater? Interview mit mir bei der Sendung ‚Hyperbandrauschen‘

Am 9. Oktober 2012 hatte ich das Vergnügen, in der 16. Folge der Radio-Sendung „Hyperbandrauschen“ von ColaboRadio zu Gast sein zu dürfen. Während Chips-Tüten rascheln sprach ich mit meinem Lieblingskollegen macro und mit dem einzigartigen hein-c über meine Zeit bei der c-base und, natürlich, über Impro-Theater! Viel Spaß beim Hören.

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Von Regeln zu Haltungen

Im Impro taucht immer wieder die Frage nach Regeln auf. Eine schöne Reflektion dazu hat macro bereits vor kurzem geschrieben. Und ich stimme ihm zu, dass es sich beim Impro doch paradox verhält: Auf der einen Seite gilt der Satz „There are no mistakes in improv.“ (Es gibt beim Impro keine Fehler.), auf der anderen Seite gibt es einen ganzen bunten Blumenstrauss voll Regeln, mit denen Spieler konfrontiert werden.

Ich denke, das Dilemma – oder Paradoxon – löst sich in dem Moment auf, wo aus Regeln Haltungen werden. Meine Beobachtung ist, dass bei vielen Spielern, die länger dabei sind, die Regeln peu a peu so verinnerlicht werden, dass sie nicht mehr als Regeln dienen, sondern Haltungen sind, die im Zweifelsfall auch außerhalb der Impro-Bühne Anwendung finden. Ich denke hier an Dinge wie „Say yes!“ (Akzeptieren), „Embrace Failure!“ (Scheiter heiter) oder „Let your partner shine!“ (Lass Deinen Partner gut aussehen). Natürlich heißt das nicht, dass man diese Haltungen immer und überall auch lebt. Wir sind alle Menschen und als solche sind wir natürlich auch mal neidisch oder fies. Doch auch hier greift eben die Regel „Embrace Failure“, was hier so viel bedeutet wie: Sei nachsichtig mit Dir.

Sobald aus den Regeln Haltungen geworden sind, haben die Spieler eine viel höhere Flexibilität im Spiel. Denn sie können einen Teil ihrer Aufmerksamkeit davon ablenken, die „Regeln“ zu befolgen und sich auf andere Aspekte ihres Spiels oder der Show / Szene konzentrieren.

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Der Tiefstatus ist der neue Hochstatus

Wenn man Impro-Anfänger fragt, ob sie sich im Tief- oder im Hochstatus wohler fühlen, nennen sie meist eine klare Präferenz für einen der beiden. Ich habe früher, konfrontiert mit dieser Frage, eine leichte Tendenz zum Tiefstatus bei mir bemerkt, und mich dafür innerlich immer gerügt, ja mitunter sogar zerfleischt. Bzw. habe ich es mir zum erbitterten Ziel gesetzt, dass sich für mich der Hochstatus irgendwann „natürlich“ anfühlen muss (GEFÄLLIGST!). Inzwischen selbst unterrichtend sehe ich jedoch, dass die Spieler, die von sich behaupten, sich intuitiv im Hochstatus wohler zu fühlen, es in meinen Augen häufig schwerer haben, weil es ihnen von Natur aus weniger leicht fällt, sich mit ihrer Aufmerksamkeit auf den anderen zu richten. Dies ist mit Sicherheit keine Faustregel, so dass man sagen kann „Jeder Spieler, der sich intuitiv dem Tiefstatus näher fühlt, ist ein besserer Impro-Spieler.“ – holy shit, definitely not!

Dennoch denke ich, dass „typische Tiefstatus-Spieler“ häufig eine Gabe mitbringen, die „typische Hochstatus-Spieler“ sich erst erarbeiten müssen: Die Aufmerksamkeit für andere und deren Befindlichkeiten! Wer im Leben dazu tendiert, sich selbst etwas „niedriger“ als die anderen zu fühlen, beobachtet diese meistens ausgiebig, um sich zurecht zu finden, und hat ein Händchen dafür, was diese brauchen. Und genau das ist meiner Meinung nach eine der Kern-Kompetenzen eines guten Impro-Spielers: Die Aufmerksamkeit für die Mitspieler und was diese gerade brauchen! Insofern sehe ich es inzwischen gar nicht mehr unbedingt als Defizit, wenn man bei sich bemerkt: „Oh, ich fühle mich eigentlich mit dem Tiefstatus vertrauter, als mit dem Hochstatus.“ Zumindest für’s Impro-Spielen kann dies eine große Gabe sein! Und dass dem so ist, heißt ja nicht, dass man nicht an sich arbeiten, sich nicht verändern soll. Natürlich ist es – im Sinne eines guten Spiels und auch der persönlichen Weiterentwicklung – wichtig, sich nicht nur auf einen Status in seinen Rollen festzulegen, sondern möglichst danach zu streben, auch den anderen Status gut und „wohlfühlend“ verkörpern zu können. Also, liebe Tiefstatus-Spieler: Wenn Ihr diese Gabe bei Euch bemerkt, ruht Euch nicht auf ihr aus, sondern strebt nach Höherem! Ansonsten kann es Euch möglicherweise so ergehen, wie dem einen Extrem des „schlechten Impro-Spielers“, den ich in meinem 1. Podcast beschrieben habe, dem zögerlichen Impro-Spieler.

Freut Euch trotzdem darüber, dass Ihr es in dieser Hinsicht möglicherweise leichter habt, als Eure Hochstatus-Kollegen, denn die müssen das „auf-andere-Achten-und-Eingehen“ erst erlernen – und ich kenne Beispiele einiger Impro-Spieler, denen das m.E. bis heute nicht gelungen ist, und die weniger mit anderen zusammen etwas erschaffen, als dass sie mehr ihre Solo-Nummer auf der Bühne fahren. Ich finde es wahnsinnig schwer, mit solchen Leuten zu spielen, und ich schaue ihnen auch nicht gerne zu, da sie sich auf der Bühne oft wie Rambo benehmen.

Nachtrag 27.09.2013
Während meines Besuchs in London beim iO European Summer Intensive diesen Monat habe ich mich mit einem der Teilnehmer ausgiebig über das Thema „Status“ unterhalten, und aus diesen Gesprächen sehr viele Erkenntnisse gezogen: Es geht überhaupt nicht darum, dass einer der beiden Stati besser oder schlechter, oder moralisch überlegen wäre (auch wenn ich nach wie vor den Eindruck habe, dass in unserer aktuellen, westlichen Gesellschaft ein Hochstatus-Verhalten attraktiver und begehrenswerter – im Hinblick auf gesellschaftliche Anerkennung – ist, und deshalb für viele erstrebenswerter erscheint). Sowohl Hoch- als auch Tiefstatus dienen als Verhalten dazu, andere Menschen zu manipulieren. Der Tiefstatus indem er mit seinem Verhalten signalisiert „Tu mir nichts, ich bin es nicht wert, verletzt zu werden“, und der Hochstatus, indem er dominantes Verhalten an den Tag legt, das die anderen dazu bringen soll, zu machen, was er möchte („Macht auszuüben“). Beide Taktiken sind defensiv und dienen dazu, die eigene Persönlichkeit zu schützen, und dahinter steht meist Angst (z.B. davor, verletzt zu werden, oder nicht den richtigen Platz in der Hackordnung zu bekommen). Die Frage, die sich mir hier gestellt hat war: Wie kann man aus diesem Schema ausbrechen? Und vor allem: Wie schafft man es, dass andere einem nicht diese Art defensives Verhalten (Hoch- oder Tiefstatus) entgegen bringen? Die Antwort darauf ist für mich: Offen sein. Empathie zeigen. Den anderen signalisieren, dass sie keine Angst haben brauchen. Und gerade Impro-Theater ist m.E. der Versuch, diesen Schutzmechanismus zu überwinden, die Angst fahren zu lassen und sich zu öffnen.

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