Schwäche

Ein Thema, dass dieser Tage ein bisschen Hochkonjunktur hat (jedenfalls in meiner Wahrnehmung), ist das Thema „Schwäche“… Was macht diese Situation gerade mit uns bzw. mit mir? Ich fühle mich oft schwach, traurig, ohnmächtig. Und dabei ist mir aufgefallen: Es ist krass, wie viele Leute mir ad hoc einfallen, die mit „Schwäche“ (bei sich und bei anderen) nicht gut umgehen können. Interessanterweise sehe ich das häufiger bei Frauen, als bei Männern, und erstaunlich oft bei Menschen, die von Beruf Coach oder etwas ähnliches sind.

Diese Leute reagieren ungehalten bis aggressiv auf Schwäche (von mir – und auch bei sich selbst). Vielleicht ist das auch der Grund (oder ein Grund), warum diese Menschen Coach geworden sind… Weil sie anderen „bei Schwäche“ helfen wollen. Aber ich finde Schwäche gar nicht schlimm… Und finde, man darf sich ab und zu ruhig den Luxus leisten, schwach zu sein.

Und ich denke auch, es ist ganz menschlich, mit „Schwäche“ oder „Ohnmacht“ (Hilflosigkeit) ein Problem zu haben. Denn eigentlich haben wir in unserem Leben gerne das Gefühl von Kontrolle, und von Selbstwirksamkeit (Macht). Schwäche lässt uns hilflos fühlen und ist das Gegenteil davon. Trotzdem ist es m.E. wichtig, Schwäche (und Ohnmacht) auch mal „auszuhalten“. Das ist m.E. eine Lernaufgabe… Und es heißt nicht, passiv zu sein, oder ohnmächtig zu bleiben, oder sich fatalistisch in sein Schicksal zu ergeben; es heißt: Akzeptanz.

Warum viele dieser Leute allerdings Coach werden mussten, wenn sie Schwäche doch so schlecht aushalten können und es sie aggressiv macht – das verstehe ich nicht… In dem Beruf hat man es doch vordergründig mit Schwäche / Schwächen zu tun. Wenn man das nicht gut aushalten kann – schlecht. Bzw. wenn man es sofort (auch bei anderen) „weg machen“ will – schlecht. Natürlich ist das die Aufgabe und das Streben eines Coaches, das „weg zu machen“. Aber ich glaube, der Weg dahin ist, mit dieser Schwäche (bei anderen – und natürlich auch bei sich) gelassen umgehen zu können, so dass es auch nicht schlimm ist, wenn sie „da“ ist.

Diese „Schwäche“ tritt übrigens meistens in Gestalt der Gefühle von Traurigkeit, Hilflosigkeit, Scham, Ohnmacht – manchmal auch Angst auf. Oder auch in Selbstmitleid, was diese Menschen sich nicht gestatten. Und natürlich in Form von Depression. Weniger in Gefühlen wie Wut und / oder Ärger.

Ich glaube dennoch: Der Schlüssel, um ein guter Coach zu sein, ist, Schwäche aushalten und sich vielleicht sogar „gönnen“ zu können – bei sich und bei anderen.

Ein schöner, ergänzender Artikel zu diesem Thema ist dieser hier, für dessen Hinweis ich meinem lieben Kollegen Andi an dieser Stelle ganz herzlich danken möchte: http://schleckysilberstein.com/ich-war-in-der-psychiatrie-und-es-war-die-beste-zeit-meines-lebens/

 

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